In einer Welt, die ständig etwas von uns will – Zeit, Aufmerksamkeit, Energie – kann es schnell passieren, dass wir uns selbst aus dem Blick verlieren. Wir sagen „Ja“, obwohl wir „Nein“ meinen. Wir übernehmen Verantwortung für Dinge, die gar nicht unsere sind. Und irgendwann fühlen wir uns ausgelaugt, gereizt oder innerlich leer. Genau hier setzt Abgrenzung an. Sie hilft uns dabei, zu unterscheiden: Was gehört zu mir – und was nicht? Welche Bedürfnisse sind meine eigenen, und welche übernehme ich vielleicht unbewusst von anderen?

Abgrenzung sollte nicht als Abwehr verstanden werden, sondern als bewusste Entscheidung:

  • Ich sehe dein Problem.
  • Ich respektiere dich.
  • Aber ich übernehme es nicht.

Gesunde Grenzen erkennen

Ein paar Fragen können helfen:

  • Wann fühle ich mich überfordert oder unwohl?
  • In welchen Situationen sage ich „Ja“, obwohl ich eigentlich „Nein“ meine?
  • Was gibt mir Energie – und was raubt sie mir?

Diese Reflexion ist kein einmaliger Prozess, sondern etwas, das sich mit der Zeit
entwickelt.

Die „Beratungsfalle“ erkennen

Ein besonders treffendes Konzept im Buch ist die sogenannte Beratungsfalle. Sie
beschreibt die Tendenz, sofort Lösungen für andere finden zu wollen.

Das Problem dabei:

Du nimmst dem anderen die Verantwortung für sein eigenes Leben – und übernimmst sie selbst. Gleichzeitig entsteht oft eine unausgesprochene Erwartung: Dankbarkeit, Anerkennung oder das Gefühl, gebraucht zu werden.

„Nein“ sagen lernen

Einer der schwierigsten, aber wichtigsten Schritte in der Abgrenzung ist das „Nein“-Sagen. Viele Menschen haben Angst davor, andere zu enttäuschen oder Konflikte auszulösen. Doch ein ehrliches „Nein“ ist oft respektvoller als ein halbherziges „Ja“. Ein „Nein“ bedeutet nicht automatisch Ablehnung der anderen Person. Es ist vielmehr ein „Ja“ zu dir selbst.

Fazit

Abgrenzung ist kein Zeichen von Schwäche oder Egoismus, sondern von Selbstbewusstsein und Selbstfürsorge. Wer seine eigenen Grenzen kennt und achtet, schafft die Grundlage für gesunde Beziehungen und ein stabiles inneres Gleichgewicht.
Am Ende bleibt eine einfache, aber kraftvolle Erkenntnis: Nicht jedes Problem, das dir begegnet, gehört auch dir.

 

Quellen: Schweppe, R., Long, A. (2023). Dieses Problem lasse ich bei dir. Goldmann
Verlag. München